Der Begriff „ISG-Blockade“ (Iliosakralgelenk-Blockade) wird in der Hundephysiotherapie, Osteopathie und Chiropraktik sehr häufig verwendet.
Doch aus wissenschaftlicher Sicht ist diese Diagnose deutlich kritischer zu betrachten, als es oft dargestellt wird.
Das Iliosakralgelenk (ISG) verbindet das Kreuzbein mit dem Becken. Anatomisch handelt es sich um ein extrem straffes, bandgesichertes Gelenk mit nur minimaler Beweglichkeit. Seine Hauptfunktion ist Stabilität und Kraftübertragung – nicht große Mobilität.
Genau hier liegt das Problem des Begriffs „Blockade“:In der Alltagssprache entsteht häufig der Eindruck, das Gelenk sei „verschoben“, „ausgerenkt“ oder müsse „eingerenkt“ werden. Dafür gibt es jedoch keine belastbare wissenschaftliche Evidenz.
Vielmehr handelt es sich meist um funktionelle Beschwerden, Muskelverspannungen, Schmerzreaktionen oder kompensatorische Bewegungsmuster.
Viele Symptome, die einer angeblichen „ISG-Blockade“ zugeschrieben werden – etwa Lahmheit, schiefes Sitzen, Schwierigkeiten beim Springen oder ein steifer Gang – sind unspezifisch.
Sie können ebenso durch:
* Muskelprobleme
* Hüftgelenkserkrankungen
* Knieprobleme
* neurologische Ursachen
* Arthrose
* Bandscheibenprobleme
oder allgemeine Schmerzmechanismen entstehen.
Das bedeutet:
Moderne Veterinärmedizin betrachtet solche Beschwerden daher eher als komplexes Zusammenspiel aus:
* Muskulatur
* Faszien
* Belastungsmustern
* neurologischer Schmerzverarbeitung und möglichen orthopädischen Grunderkrankungen.
Ein seriöser therapeutischer Ansatz sollte deshalb niemals nur auf das „Einrenken“ eines Gelenks reduziert werden, sondern immer eine fundierte orthopädische und physiotherapeutische Untersuchung einschließen 
